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DANIELA FINKE Fotografie

hostesses

Pattern of Life, Judith Metz, 2004

Die Bilder der Ausstellung »Patterns of Life« von Daniela Finke zeigen Momentaufnahmen von Menschengruppen in alltäglichen Situationen. Die Fotografin beobachtet die
Arbeitssituation an einem Flughafen (Serie »Airport«) oder den Alltag von Lebensrettern (DLRG) in der jüngsten Serie »Baywatch«.

Es sind Momente des kurzen Innehaltens (»Stewardess«) oder fließender Bewegung (»Hostesses«), die durch den gewählten Ausschnitt, die Komposition und Farbigkeit den individuellen künstlerischen Blick Daniela Finkes auf ihre Umgebung dokumentieren.

Dabei hat ihr Blick Distanz zu den Motiven, will die Unschärfe, um gerade dadurch den gemeinsamen Nenner einer »peer group« (»Girls on Reichstag« und »Teenager on Stumps«), den Dresscode einer bestimmten Arbeitswelt (»Hostesses«) oder die sozio-kulturelle Zugehörigkeit (»Turkish Teens«) zu verdeutlichen.

Charakteristisch für die Fotografie von Daniela Finke ist die Unschärfe. Unschärfe bedeutet Verzicht auf Details zugunsten einer Verdichtung zu musterhaften Bildstrukturen. Paradoxerweise ist gerade die Unschärfe ein Mittel der Verdeutlichung, das die Aufmerksamkeit auf den Gesamteindruck einer kompakten, geschlossenen Bildkomposition lenkt. Dabei gibt es keine Verfremdung durch eine bis ins Unkenntliche getriebene Verzerrung der Bildkonturen, sondern nur eine sanfte Vergröberung des Bildrasters. Erzeugt wird so eine Annäherung an das Malerische – die Antwort einer Fotografin auf die Fotorealität in der aktuellen Malerei. Es ist das legitime Spiel in der Bildkunst, mit unterschiedlichen Methoden eine ähnliche Bildsprache zu erzielen und damit auch den Betrachter auf den ersten Blick zu verunsichern.

Daniela Finkes Medium ist sowohl die analoge als auch die digitale, gestochen scharfe Fotografie, die in einem längeren Arbeitsprozess nachträglich digital bearbeitet wird und so ihre weichen malerischen Konturen erhält. Durch das Ineinanderfließen addieren sich die Farbflächen zu musterhaften Bildstrukturen, die eine malerische, fast impressionistische Wirkung entfalten.

Die meist leuchtenden Farben verleihen den Bildkompositionen mal kontrastreiche Spannung, mal rhythmische Symmetrie in der Wiederholung, wie in den Bildern von den »Westenboys« oder »Two in a Boat«. Immer geht es um Muster an der Oberfläche, der Hülle, der Haut, um das äußere Erscheinungsbild, das sich in der Kleidung und körperlichen Merkmalen wie Haar und Hautfarbe ausdrückt. Das Mittel der Unschärfe ihrer Bilder verwischt das Individuelle und verdeutlicht dadurch die »uniformellen Muster« einer Gruppenzugehörigkeit. Sie thematisieren das Wechselspiel von Gemeinsamkeit und gleichzeitiger Abgrenzung gegen eine andere Lebenswelt – so in den Aufnahmen von Jugendlichen.

»Patterns of Life« präsentiert uns den Reiz und die Schönheit von Farben und Motiven aus unserem Alltag an der künstlerischen Bild-Oberfläche der Fotografie. Und unter der Oberfläche wird das Denken angeregt: zum Beispiel das Denken über den Widerspruch zwischen krampfhaft geforderter Individualität und gleichzeitig diktierter Uniformität durch Mode- und Lifestyletrends in unserer Gesellschaft.

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